Gedanken des Autors über die eigene Selbstwertfindung

Gedanken des Autors über die eigene Selbstwertfindung

Viele der hier niedergeschriebenen Gedanken und Aussagen sind Schlussfolgerungen aus meinem persönlichen Leben in fünf Gesellschaftsordnungen[1]. In diesem Buch versuche ich das Wissen, das ich in sieben Jahrzehnten übermittelt bekam, aber auch durch eigenes Bemühen erwarb, an den Leser oder die Leserin weiter zugeben in der Hoffnung, dass es ihm oder ihr dann auch so nützlich sein kann, wie es mir schließlich nach vielen Jahrzehnten auch zu einem Selbstwertgefühl[2] und der daraus entstehenden Selbstverwirklichung[3] verhalf.

Dieses mein heutiges Wissen hatte mehrere Quellen: zuallererst waren es die Ermahnungen und Hinweise, die man als Kind von arbeits- und obdachlosen Eltern während und nach der zu Ende gehenden Weltwirtschaftskrise (1929 bis ca. 1935) erhielt. Von den folgenden 8 Jahren an der Volksschule blieben die normalsten Kenntnisse bis heute erhalten: Ich lernte Schreiben, Lesen und Rechnen. Erhalten blieben auch einige Aussagen aus der Bibel, die uns allen obligatorisch im Religionsunterricht vermittelt wurden. Neben einen sehr häufig stattfindenden Turn- und Sportunterricht, bei dem uns allen beigebracht wurde, dass „ein deutscher Junge sollte zäh, wie Leder, hart, wie Kruppstahl und flink, wie ein Windhund“ sein muss, um schließlich als echter Soldat Hitlers mutig bis zum Endsieg der Wehrmacht gegen die Feinde des Großdeutschen Reiches seinen Mann stehen zu können. Parallel dazu mussten wir Schüler auch die Namen der Könige und Feldherren auswendig lernen und auch die Jahreszahlen der „glorreichen“ Schlachten, in die diese ihre Völker schickten und den „Heldentod“ sterben ließen. In der 5. Klasse lernten wir auch die wesentlichsten Kennzeichen der deutsch-germanischen Rasse kennen, der ich mich trotz meiner Abstammung von den aus Polen zugewanderten Großeltern zugehörig fühlen durfte. Man brachte uns bei, dass wir erst mit 18 Jahren mündig seien, um dann als Erwachsener selbstständig handeln zu können und vor allem dann auch für sein Handeln haftbar gemacht werden kann. Bis dahin gilt es insbesondere aus der Geschichte zu lernen, um dann mit 16 Jahren als tapferer Soldat für die Ehre des Vaterlandes seinen Mann an der Front zu stehen.

In diesen 18 Lebensjahren lernte ich zusätzlich meinen Beitrag zur tagtäglichen Befriedigung meiner normalen Bedürfnisse zu leisten, die durch die in jedem Menschen vorhandenen Instinkte gelenkt werden. Im Garten gab es genug zu tun, um dann in den 6 Kriegs- und 2 Nachkriegsjahren durch eigene Ernte den Hunger zu überwinden, der uns alle traf: Mutter, den pflegebedürftigen Großvater, meinen fünf Jahre jüngeren und mich auch sorgen. Vater war gut 5 Jahre im Krieg, irgendwo als Kraftfahrer hinter der Front und anschließend noch ein gutes Jahr in englischer Kriegsgefangenschaft.

In den Kriegsjahren lernte ich zusätzlich meinem Instinkt nach Sicherheit nachzukommen. Egal ob täglich in der Schule und später in der Berufsschule oder auch fast jede Nacht im eigenen Hauskeller, stets musste man Schutz suchen vor den Bomben, die die amerikanischen und englischen Flugzeuggeschwader auf die Wohngebiete Berlins und Umgebung abwarfen.

Noch während der Kriegszeit – 1943 – stand ich nach 8 Volksschule ohne eine eigene Vorstellung über meinen weiteren Lebensweg zu haben vor der Notwendigkeit, einen Beruf zu erlernen. Ich hatte zwar im letzten Schuljahr leidenschaftlich mit der Laubsäge Kriegsschiffsmodelle hergestellt, auf denen ich dann als Matrose meinen Wehrdienst leisten wollte. Ich zeigte aber keine Begeisterung, dem Beispiel meines Vaters folgend, den Beruf eines Tischlers zu lernen. Neben unserer Schule befand sich eine Druckerei, die die für den Norden Berlins die Tageszeitung „Nordbahn-Nachrichten“ herausgab. Das die bisherigen Schriftsetzer ihren Wehrdienst leisten mussten, suchte der Besitzer Lehrlinge, um in seinem Betrieb aufrecht zu erhalten. Mehr aus Neugierde als aus Berufung nahm ich die Lehrstelle als Schriftsetzer an. Leider musste der Druckereibesitzer seinen Betrieb zum Ende des gleichen Jahres (1943) schließen. Ich setzte meine Lehre in der Druckerei Möller im benachbarten Oranienburg bis zum 15. März 1945 fort. An diesem Tag warfen englische Bomber Tausende von Bomben auf die Stadt ab, von denen eine auch das Haus der Druckerei zerstörte. Noch heute werden Blindgänger und nicht detonierte Zeitzünderbomben in Oranienburg geborgen. Die Lehrausbildung beendete ich nach dem Kriegsende im Juni 1946 in der Berufsschule des Grafischen Gewerbes in Berlin am Schlesischen Tor.

Vom diesem für die Stadt Oranienburg tragischen Tag, dem 15. März bis zum 26. April des gleichen Jahres lernte ich dann als Angehöriger des Volkssturms, das Vaterland, das Großdeutsche Reich bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen. Die Parole hieß: Wir kämpfen bis zum Endsieg. Um das zu erreichen lernte ich die Nutzung von Panzerfäusten, mit denen wir die T34-Panzer der anrückenden Sowjetarmee aufhalten sollten.

Die Befreiung unseres Dorfes durch die Sowjetarmee hatte drei markante Erlebnisse zur Folge, die mein weiteres Leben beeinflussten.

Am 26. April 1945 hockten mein Freund Helmut und ich in einem Keller der Hauptstrasse unseres Dorfes. Als Angehörige des Volkssturmes hatten wir den Befehl erhalten, mit jeweils einer Panzerfaust die Sowjetarmee aufzuhalten. Als die ersten sowjetischen T34-Panzer in Sicht kamen und immer mehr wurden, bekamen wir es mit der Angst zu tun. Wir warfen die Waffen in die Ecke suchte nach hinten aus dem Keller hinaus das Weite. Später erfuhren wir, dass ein anderer Kamerad seine Panzerfaust abgeschossen und einen Panzer beschädigt hätte, dann aber durch das Gegenfeuer der anderen Panzer nicht mehr lebend aus den Keller kam. Zu Hause angekommen, entledigten wir uns schnell aller Uniformteile und warteten zusammen mit den Familienangehörigen ängstlich auf das Einrücken der Sowjetarmee. Unser Dorfteil sah niemals Panzer. Durch unsere Straßen ritten Kavallerie- Angehörige der 1. Polnischen Armee, die Seite an Seite mit der Sowjetarmee Berlin einkesselten.   Erst später kamen Panjewagen voller Soldaten und Feldküchen. Die Soldaten machten es sich in unserer Straße bequem, verlangten Wasser um sich zu waschen und für ihre Feldküche. Als sie dann zu essen begannen riefen uns zu „dawai, idi-suda[4] und forderten uns auf, mit aus ihren Feldküchen zu essen. Danach tranken sie mehrere „schtoo gram[5] Wodka und sangen zwischendurch ihre Volkslieder – und zitierten Heinrich Heine.

Das zweite Erlebnis entstand durch die Besetzung unseres Dorfes durch die Sowjetarmee, die eine für den 28. April vorgesehene Eisenbahnfahrt nach Stralsund unmöglich machte. An diesem Tage sollte ich mich laut Einberufungsbefehl beim dortigen Wehrkreiskommando zum Dienstantritt bei der Kriegsmarine melden. Einige Jahre später erfuhr ich, dass ich laut Unterlagen im Archiv der deutschen Wehrmacht in Flensburg als Fahnenflüchtiger gesucht wurde. Ich empfand es als Glück, in der Nachkriegszeit nicht in den Westzonen und der späteren Bundesrepublik gelebt zu haben. Westdeutsche Richter verurteilten noch nach Kriegsende Fahnenflüchtige.

Das dritte Erlebnis traf mich zutiefst, als ca. 2 Wochen nach der Besetzung durch die Sowjetarmee, einige Tage nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, wo nun nach fast 6 Jahren Krieg Frieden um uns herum war, der sowjetische Kommandant unseres Dorfes den Befehl gab, die Bewohner unseres Dorfes hätten sich früh morgens auf dem Vorplatz des Rathauses zu versammeln, in dem die sowjetische Kommandantur ihren Sitz hatte. Wir mussten auf bereit stehende Armee-LKW klettern. Ohne auf unsere ängstlichen Fragen zu antworten fuhr man uns nach Oranienburg-Sachsenhausen. Dort hieß es runter vom Wagen und durch das Tor des dortigen Konzentrationslagers hinein in das Gelände des Lagers. Uns wurde befohlen, die Baracken mit den dreistöckigen schmalen Betten, in denen immer noch Überreste der ehemaligen Insassen herum lagen, die spärlichen sanitären Einrichtungen, die Bewachungstürme des Lagers mit den noch montierten Maschinengewehren, die Folterzellen, den Erschießungsgraben und die Verbrennungsöfen in Augenschein zu nehmen. Einige uns begleitende Überlebende des Lagers, sie trugen rote Dreiecke auf ihrer Häftlingsbekleidung, erklärten den Ablauf ihres jahrelangen Lebens in diesem Lager. Wir erfuhren Dinge, die die meisten von uns vorher nicht gewusst hatten. Eine Frauen aus unserem Dorf brachen verzweifelt zusammen, andere riefen Gott um Verzeihung an, und wieder einige andere zischten laut genug: „Alles Lüge und Verleumdung unseres Vaterlandes und unseres Führers“.

Innerhalb kurzer Zeit begann für mich praktisch ein neues, anderes Leben. In mir wuchs die Neugierde und die Sucht nach Wahrheit über das Leben in der Gesellschaft.

Nach erfolgreicher Beendigung meiner Berufsausbildung und der Heimkehr meines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft verlies ich die Familie und ging, so wie es mein ehemaliger Lehrausbilder mir empfohlen hatte, „auf Wanderschaft“ durch das zerbombte und in Besatzungszonen zerrissene Land. Ich erlebte die Nachkriegswirren in Deutschland und war gute 5 Jahre Gastarbeiter in einem französischen Kohlebergwerk. Ich verbrachte dort auch gut eine Woche im Gefängnis von Bethune/Nordfrankreich, in das man uns Teilnehmer am ersten landesweiten Generalstreik 1948 steckte. Ich wurde nicht abgeschoben, da die Bergwerksverwaltung auf Einhaltung des Arbeitsvertrages beharrte. Ich erlebte in diesem Lande den Wiederbeginn nationalen Stolzes. Als Gasthörer an der Universität Lille lernte ich nicht nur Literatur und Sprache sondern auch die Geschichte der République Francaise kennen, die 1789 begann und deren Schicksal sehr widersprüchlich bis in die heutigen Tage andauerte.

Irgendwann packte mich so etwas wie Heimweh und ich verließ illegal Frankreich, da ich kein Laissez-passer-Papier für eine direkte Fahrt in die „zone soviétique“ erhalten konnte. Da ich in der Zeit meiner Arbeit im Bergwerk und Teilnahme am Generalstreik Mitglied der Bergarbeitergewerkschaft der CGT geworden war, halfen mir dann die „camérades“, mich in einem über Metz nach Berlin-Tegel fahrender Militärzug zu verstecken. So gelangte ich dann kameradschaftlich unterwegs gut versorgt, auf kurzem Wege wieder in Berlin. Die französische Militärpolizei übergab mich dann sogleich an die sowjetische Militärpolizei, die mich dann an die Ostberliner Stadtverwaltung zwecks Ausstellung eines DDR-Personalausweises für aus dem Westen kommende „Einwanderer“ übergab.

Ab meinem 23. Lebensjahr begann für mich in der DDR ein neues Leben. Ich musste mich eingewöhnen in eine antifaschistisch-demokratische Gesellschaftsordnung, deren Aufbau noch sehr am Anfang stand, aber von vielen jungen Menschen begeistert in Angriff genommen wurde. Kurze Zeit nach meiner Ankunft in Ostberlin, wo ich eine provisorische Unterkunft und eine Arbeit als Schriftsetzer in der Druckerei der „Berliner Zeitung“ fand, erlebte ich im August 1952 als frisches Mitglied der Freien Deutschen Jugend die III. Weltfestspiele der Jugend. Hier lernte ich eigentlich zum ersten Mal wirkliche Brüderlichkeit und Solidarität zwischen der Jugend vieler Völker kennen. In der französischen Jugenddelegation von ca. 150 Teilnehmern traf ich zwei Jugendliche aus Libercourt / Nord, wo ich mehrere Jahre als Bergarbeiter lebte. Meine kulturelle Bildung erweiterte sich durch meine freiwillig übernommene Tätigkeit als Dolmetscher für die französische Delegation. Ich vertiefte meine französischen Sprachkenntnisse durch sprachliches Dolmetschen; ich reihte mich aber auch sehr oft und gerne ein in den Chor meiner „camérades et amis“, wenn sie die „Marseillaise“ anstimmten. Noch heute kommt mir der „Chant des Partisans“ (Lied der Partisanen) in den Sinn, den vor nunmehr gut 60 Jahren zum ersten Mal hörte und von mir auch mit voller Stimme mitgesungen wurde.

Ami, entends-tu le vol noir du corbeau sur nos plaines? Ami, entends-tu les cris sourds du pays qu’on enchaîne? Ohé! Partisans, ouvriers et paysans, c’est l’alarme

Ce soir, l’ennemi connaîtra le prix du sang et des larmes

Freund, hörst Du die schwarzen Raben über unsere Felder fliegen ? Freund, hörst Du die stummen Schreie aus dem geketteten Land? Hört!, Partisanen, Arbeiter und Bauern, es ist Alarm !

Heute Abend wird der Feind den Preis für Blut und Tränen kennen.

Mit der gleichen Begeisterung versuchten die von mir betreuten französischen Jugendlichen aus das Lied der gastgebenden DDR-Jugend mitzusingen:

Lasst heiße Tage im Sommer sein! Im August, im August blühn die Rosen! Die Jugend der Welt kehrt zu Gast bei uns ein, und der Friede wird gut und uns näher sein! Im August, im August blühn die Rosen!

Und es singt die Ukraine ihr blühendes Lied, und Jungafrika lacht in der Sonne. Das siegreiche China ins Stadion zieht und die Warschauer Mauerkolonne. Klatscht beim Spaniertanz Kim aus Korea, grüßt die Kitty aus Mexiko ihn, reichen Hände sich Jimmy und Thea im August, im August in Berlin.

Nach diesem bis zum heutigen Tag in meiner Erinnerung fest verankerten Erlebnis nahm ich aktiv am Jugendleben in der DDR teil. Ich organisierte Ferienreisen der Jugendgruppe der Druckerei „Tägliche Rundschau“, in der ich als Schrift- und Maschinensetzer mein Geld verdiente, nach Ilmenau im Thüringer Wald, oder auch Volkskunstveranstaltungen, wo wir Theater spielten, und ich mich für das Singen im Chor qualifizierte. Ich lernte aber auch die Mühen des Tages kennen, wenn es galt, im (Ost)Berliner Stadtzentrum, in der damaligen Stalinallee, die Trümmer der durch amerikanische Bomber zerstörten Häuser zu beseitigen, um dort neue Wohnhäuser errichten zu lassen.

Die damalige DDR-Regierung und die noch sehr zerstörte Wirtschaft forderten nicht nur Arbeitsleistungen für die Beseitigung der Kriegsschäden ein, sondern förderte zugleich auch den Aufbau einer Produktionsmittel herstellenden Wirtschaft mit einer parallel notwendig werdenden Ausbildung von Facharbeitern[6]. ständiges Lernen. In mir entwickelte sich ein Ehrgeiz, Lehrgänge der Gewerkschaften, der Jugendbewegung und auch der Partei mit guten Prüfungszeugnissen zu beenden. Ich wollte auch in den Arbeitskollektiven nicht der Schlechteste sein. Ich freute mich auf jede mit „Gut“ vermerkte Urkunde, über öffentliches Lob – und auch auf die sehr oft damit verbundene Prämie.

Von der Redaktion der Jugendzeitung „Junge Welt“, in der ich nun selber die Texte schreiben konnte, die ich vorher nur als Bleibuchstaben auf die Seite montierte, wurde ich recht bald zu einem Fortbildungslehrgang im Journalistenverband der DDR delegiert, um mir Grundwissen und Fähigkeiten für professionelles journalistisches Wirken anzueignen. Das in den acht Jahren Volksschule während der Nazizeit erworbene Wissen erwies sich als völlig unzureichend für den Beruf eines Journalisten im Allgemeinen und für eine journalistische Tätigkeit in einer sozialistischen Jugendzeitung im Besonderen. Neben meiner täglichen Arbeit in der Redaktion lernte ich in gut zwei Jahren während der Abendseminare im Presseclub, den Marxismus/Leninismus, den Historischen Materialismus, die Dialektik, aber auch die Fähigkeiten zum Schreiben eines Berichtes, eines Kommentars und das Recherchieren von Fakten. Mit dem erfolgreichem Abschluss dieses Ausbildungslehrganges erhielt ich, wie alle anderen Lehrgangsteilnehmer die Berechtigung zum Hochschulstudium. Es dauerte nicht lange, da war ich an der Akademie für Staat und Recht in das über sechs Jahre gehende Fernschulstudium der Fächer Philosophie, Soziologie, Geschichte, Internationales Völkerrecht und Informationswissenschaft eingetragen. Das, was ich bisher von der Geschichte der Völker in Europa wusste, wurde ergänzt durch das neue Wissen über die Gesellschaftsordnungen, die seit dem Römischen Reich bis zu Ende der Hitlerzeit einander ablösten und auch in Deutschland Spuren hinterließen. Vieles, was ich von früher kannte, wurde zum größten Teil in Frage gestellt oder aus einer ganz anderen Sicht interpretiert. Das Erlernen des historischen Materialismus und der Dialektik lösten in mir eine ständig wachsende Neugierde aus, die in meinem Kollegenkreis oft nicht gern wahr genommen wurde. Ich hinterfragte zu viel oder äußerte mich auch oft sehr kategorisch auf meine neuen Erkenntnisse beharrend zu politischen Fragen, was dann von den Vorgesetzten oder Parteilehrgangsleitern mit „Widerspruchsgeist“ oder „Überheblichkeit“ abgekanzelt wurde. Ich hörte nicht auf neugierig zu sein. ich wollte noch mehr wissen, um das Leben hinter den Kulissen kennenzulernen. Nach einem zweijährigen postgradualen Studium auf dem Gebiet von Information und Dokumentation bot einer Professoren der Leipziger Karl-Marx-Universität an, auf dem Gebiet der Informationswissenschaften zu promovieren. Die Freunde um mich herum drängten darauf, diese Promotion anzunehmen. Mit Zustimmung des Verlages, in dem ich arbeitete, absolvierte ich zuerst noch das für dieses Fach notwendige Journalistik-Diplom, um dann in weiteren vier Jahren Forschungs- und Recherchearbeit meine Promotion mit „cuma laude“ zu Ende zu bringen. Ich habe zusammen gerechnet 13 Jahre Studium absolviert, in der Regel immer „nach Feierabend“ oder am Wochenende. Mein Leben in der DDR, das Arbeiten am Tage und das Leben eines Studenten in der Freizeit brachten mir zwar vieles theoretische Wissen über das Leben in einer Gesellschaft ein, verzögerten aber sehr das „Erwachsenwerden“. Aus heutiger Sicht begann erst kurz vor dem Ende meines Lebens in der DDR die für ein verantwortungsbewusstes „Erwachsensein“ notwendige geistig-intellektuelle und emotionale Entwicklung. Ich begann relativ spät den in mir, wie in jedem anderen Menschen steckenden Trieb nach Selbsterhaltung und Fortpflanzung bewusster und überlegter wahrzunehmen.

Mit dem Ende der heute „Realer Sozialismus“ genannten Gesellschaftsordnung in der DDR 1990 „versiegte“ die zweite Quelle meiner systembedingten Bildung.

Nach dem Scheitern des „Sozialismus als Alternative und Konkurrent des Kapitalismus“, wie Marx und Engels es im „Kommunistischen Manifest“ formulierten, und nach dem Ende des Kalten Krieges erlebte die Menschheit die nunmehr weltumspannende Ausdehnung des Siegers im Kalten Krieg. Die Globalisierung der Herrschaft des Finanzkapitals führte zu einer erneuten aber noch unmenschlicheren Kolonialisierung, diesmal ausschließlich durch das in den USA sesshafte Finanzkapital durchgesetzt. Selbst die sich gerade nach Osten ausdehnende und ihren Wirtschaftsinteressen folgende Europäische Union musste zwar widerwillig, aber doch den USA-Großmachtansprüchen folgen. Jetzt nach der Niederlage des ehemals mächtigen Konkurrenten, die Sowjetunion, schnippte man in Washington nur mit dem Finger und schon töteten sogar deutsche Jagdbomber Zivilisten in Jugoslawien. Westeuropa sorgte durch Truppeneinsatz für die Zerstörung der letzten Bastion einer sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Für all die, die neu in der sich ausdehnenden westlich-demokratischen Gesellschaft – Kapitalismus genannt – leben mussten, drängte sich die Nutzung einer – für mich dritten – Quelle für weiteres notwendiges Wissen auf. Nicht nur für die Bürger der Länder des besiegten „kommunistischen Ostblocks“ begann eine neue Periode der Geschichte; die gesamte Menschheit betrat den Weg hin zu einer neuen Gesellschaftsordnung. Wie schon erwähnt, setzte nach dem Verschwinden des „Kommunismus“[7] die Globalisierung des Finanzkapitals ein und änderte auch in der bisher hauptsächlich in nationalem Rahmen wirkenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung die Regeln und Lebensweise der Menschen. Die mit der Globalisierung einhergehende 3. Industrielle Revolution mit der Digitalisierung fast aller werteschaffenden Tätigkeiten des Menschen schuf praktisch über Nacht eine neue kapitalistische Gesellschaftsordnung, in der eine totale Interdependenz[8] der Menschen auf unserem Planeten entstand. Das „Grundgesetz“ des Finanzkapitals und des ihm folgenden „normalen“ aber immer noch reale materiellen Werte schaffenden Kapitalismus lautet „Der Markt entscheidet“ insbesondere in der Konkurrenzwirtschaft. Die Auswirkung dieses Grundsatzes kennt nur einen Gewinner = winner und einen Verlierer = loser. Dieser Grundsatz scheint einer gewissen Logik zu entsprechen. Es ist aber eben nur eine ökonomische Konkurrenzlogik, der zu Folge aber stets der Reichere gewinnt. Entweder gehen die loser völlig leer aus, oder erhalten über den „Sozialstaat“ einen geringfügigen Verliererausgleich. Diesen „Ausgleich“ haben die ständigen loser jedoch an die bisherigen winner = Banken zurückzuzahlen, wenn diese, wie in dieser zweiten seit 2007 fortdauernden Weltfinanzkrise in Not geraten. Momentan kenne ich die Anzahl von Banken nicht, die von den Steuergeldern der Kleinen, der Arbeiter und Angestellten, aus der Finanzkrise gerettet wurden.

Wir alle wissen inzwischen, dass In den „westlichen“ Ländern seit Beginn der kapitalistischen Gesellschaftsordnung die Bourgeoisie herrscht. Auf dem heute üblichen demokratischen Wege wurde noch nie die Arbeiterklasse mit Stimmenmehrheit die politische Macht ausgeübt. Marx und Engels benannten den in der kapitalistischen Gesellschaft notwendigerweise stattfindenden Kampf um die Macht „Klassenkampf“. Es war bis heute ein Kampf zwischen der Bourgeoisie, den Besitzern von Produktionsmitteln, und der Arbeiterklasse, zu Marx’s Zeiten auch Proletariat genannt. Zur Arbeiterklasse zählte man alle jene, die zu ihrem Lebenserhalt ihre Arbeitskraft hauptsächlich in der Industrie an die Unternehmer verkaufen musste. Die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft ist auch heute noch die Quelle des Profits.

Inzwischen ist der Mensch selbst zur Ware geworden, die auf dem Markt Gewinn einbringt.

Der Klassenkampf zwischen der Bourgeoisie und den Arbeiterklasse, heute Arbeitnehmergesellschaft genannt, führte in „westlichen“ Gefilden oftmals zu bemerkenswerten sozialen Verbesserungen durch die von den Gewerkschaften durchgesetzten Mitspracherechten auf politischer und auch wirtschaftlicher Ebene.

Der Kampf um die politische Macht in der kapitalistischen Gesellschaft wurde zwar immer unter dem Motto „Demokratie“ geführt, endete aber stets zu Gunsten der Bourgeoisie. Gab es hier und da doch zuerst eine Stimmenmehrheit für eine linke Partei, kam es früher oder später entweder zu einem Militärputsch, oder eine aufgeputschte Menge, ebenfalls bewaffnet, sorgte für den Rücktritt der kommunistischen Regierung.

Hat wirklich das Volk die Macht? Oder ist es nicht, selbst bei der Anwendung demokratischer Formen und Methoden, dann schließlich doch nur ein winner-loser-Kampf um die Macht, bei dem zum Schluss dann direkt oder indirekt die „demokratisch“ gewählten Abgeordneten von 2 oder 3 oder 4 politischen Parteien in Parlament eine Mehrheit haben, aber in ihrer Politik ausschließlich den Interessen der Wirtschaft folgen. Hinter „Wirtschaft“ verbirgt sich zunehmend das Finanzkapital. Wir erleben gerade die Praxis dieser Herrschaft des Kapitals. Dort wo das Finanzkapital nicht gleich investieren kann, werden Millionen Dollar „ins Geschäft“ gesteckt, um eine Opposition genügend reich zu machen, damit sie sich dann mit modernsten, aus den Export-Weltmeister-Staaten gelieferten Waffen versorgen, mit denen diese Opposition dann demokratisch gewählte Regierungs- und Staatschefs dann verjagen, um selbst die Macht zu übernehmen. Gewinner ist zum Schluss aber nicht die von außen unterstützte Opposition, sondern das Finanzkapital. Die auf diese Weise an die Macht gekommene ehemalige Opposition ist nun verpflichtet, ihre Schulden zurückzuzahlen, d.h., den US-amerikanischen Wirtschaftskonzernen praktisch freien Zugang zu den Bodenschätzen und Rohstoffreserven ihres Landes zu gewährleisten. Diese pervertierte Form von Klassenkampf wird heute „Demokratie“ genannt. Eine inzwischen bewährte Methode dieser Form von Herrschaft ist nicht nur die Nutzung von Geld, um die „Verbündeten“ zu entsprechenden Machtkämpfe zu befähigen, sondern eben die Nutzung der asymmetrischen Information. Wie wir inzwischen wissen, vermittelt grundsätzlich eine jede Information Wissen. Wer dann genügend Wissen um den richtigen Weg zum angestrebten Ziel besitzt, wird meistens dann auch der Gewinner sein. Da aber jeder Machtkampf nicht nur winner hat, sondern auch loser, beweist die These, dass durch die asymmetrische Information dann der loser nicht über das gleiche Wissen wie der winner verfügte. Wissen ist Macht, in diesem Fall Macht einer Minderheit über die Mehrheit des Volkes, das in seiner Mehrheit mehr als einmal eben loser war.

Die aus dem Realsozialismus in die kapitalistische Gesellschaftsordnung zurückgekehrten Völker hatten doppelt so viel zu lernen wie die „alteingesessen“ Westler. Wer hier den Anschluss an die für die Ostler „neue“ Gesellschaftsordnung nicht verpassen wollte, musste viel lernen, zuerst einmal auf dem Gebiet der Bildung und des konkreten Wissens über die Regeln einer „freien“ Gesellschaft. Der Ruf nach Freiheit – seit Menschengedenken stets immer nur von den Unterdrückten, den Sklaven, den Leibeigenen und Besitzlosen, genutzt, wurde auch 1989 zur Losung vieler Menschen, die sich bisher aktiv am Aufbau des Sozialismus beteiligten. Dieser Ruf nach Freiheit riss zwar die Mauer nieder, führte aber schließlich in eine Gesellschaft, in der das Geld herrscht. Das versprochene Leben in Freiheit und in blühender Landschaft führte nach 1990 eine immer größer werdende Anzahl der Menschen aus den „neuen“ Bundesländern in die Armut. Ca. 17 Prozent der ehemaligen DDR-Bürger konnten sich unter den für sie neuen kapitalistischen Bedingungen nicht selbst verwirklichen. Sie wurden Untertanen des Kapitals. Ein wirklich glückliches Leben stellte sich – bisher – nicht ein. Ein beträchtlicher Teil dieser unter der sogenannten Einigung noch immer leidenden Bürger hat bei den Pegida-Aufmärschen ein Sprachrohr erhalten. Die sogenannten demokratischen Parteien stellen diese sich empörenden Menschen, die im Grunde die Opfer ihrer eigenen Politik in Deutschland sind, in die rechte Ecke.

Die nach 1990 einsetzende Globalisierung der kapitalistischen Marktwirtschaft führte zu einer alle Menschen des Planeten treffenden Interdependenz. Diese gegenseitige Abhängigkeit war sowohl Methode als auch Ergebnis der Durchsetzung der Herrschaft des Finanzkapitals. Diese Interdependenz war erforderlich da, wo die größten Aussichten für einen Erfolg im Kampf um Märkte bestanden, oder wo der Eine einen Partner für den Sieg über den Schwächeren brauchte, oder wo der Profit durch die Zuarbeit billiger Arbeitskräfte irgendwo auf diesem Planeten benötigt wurde, genauso wie die optimale Nutzung von Rohstoffquellen aus anderer Völker Land. Weniger als 9 Millionen Menschen, etwa 0,1 % der Weltbevölkerung, die über 80 % des weltweiten Finanzvermögens verfügen, entscheiden in korporativen Formen – ca. 400 Gesellschaften und Banken – über das Leben und die Lebensweise von gut 7 Milliarden Menschen. Diese Herrschaft des Finanzkapitals kann auch nur in gegenseitiger Abhängigkeit ausgeübt werden und sichert durch die Methode der asymmetrischen Information[9] den Erfolg der winner auf Kosten der loser.

Um diese Zusammenhänge des individuellen und des gesellschaftlichen Lebens in dieser globalisierten Welt zu verstehen, benötigt man nicht nur Informationen, sondern auch das Wissen über bestimmte Gesetzmäßigkeiten, die das Leben auf Erden steuern. Das „lernen, lernen, nochmals lernen“, wie es während des Lebens und Arbeitens im „Realen Sozialismus“ gefordert wurde, wird heutzutage in der real-kapitalistischen Gesellschaft durch die Forderung nach „long life learning“ ersetzt. Wer diese Herausforderung annimmt, hat im Grunde immer die Chance, auf der Gewinner-Seite zu stehen.

Für die einsetzende Globalisierung des Kapitalismus mit seiner „Der Markt entscheidet“-Prämisse musste die erfolgversprechende Betriebswirtschaftslehre (BWL) in Verbindung mit der Lehre der Makroökonomie herhalten, neues, besonders erfolgreiches Handeln zu erreichen, das dann auch begehrte Rendite brachte oder gar einige Hundertausende von Dollar auf dem eigenen Konto gutschreiben ließ.

Joseph E. Stiglitz beschrieb in seinen Büchern die verschiedenen psychologischen, ökonomischen und politischen Hebel und Tricks, mit der das ganz große Finanzmanagement die Gewinne durch Investmentionen in gewinnbringenden Ländern vorbereitet und dann durch entsprechende Manipulation und asymmetrische Informationen, zum erfolgreichen Ende führt. Auch hier wieder verweist er darauf, dass es keine win-win– Aktion ist, sondern hauptsächlich nur looser geben wird.

Die Globalisierung der kapitalistischen Marktwirtschaft schuf neue Formen und Methoden der Erhöhung der Rendite und des Profits. Sie schuf aber auch neue, differierende Herrschaftsformen. Die Interessen des global herrschenden Finanzkapitals stimmen nicht immer mit den Interessen der nationalen Unternehmerschaft überein. Unsere Interessen können nicht darin bestehen, dieses Problem der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zum Nutzen des Kapitals zu lösen. Unser Wissen über diese und andere Probleme des globalisierten Kapitalismus kann uns nur helfen, dieser Herrschaft des Finanzkapitals so schnell wie möglich Riegel vorzuschieben oder sie gar im Buch der Geschichte verschwinden zu lassen.

In der gegenwärtigen politischen Lage, in der die Interessenwahrnehmung des Finanzkapitals weltweit terroristische Glaubenskriege und militärische Interventionen der NATO in Ländern der globalen Marktkonkurrenz auslösen, mit dem Ergebnis einer noch nie gekannten Fluchtbewegung von ca. 60 Millionen Menschen[10] , die ihrerseits insbesondere Europa in eine schwere Krise hineinzog, selbst die konservativsten Politiker Europa über einen Politikwechsel nach. Suchen auch wir nach einer friedlichen Lösung und unterstützen eine solche Politik der Lösung der gegenwärtigen Gesellschaftskrise. Wir kennen bereits ein Instrument, mit dem die Völker vereint die Grundlagen einer anderen Gesellschaft legen können. Der Entwurf des Paktes der Völker für eine bessere Weltordnung wartet auf die Zustimmung der Mehrheit der Bewohner dieses Erdballs.

Der Ruf der Französischen Revolution nach

Liberté – Égalité – Fraternité

„Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“

erschallt weiterhin rund um den Erdball. Nach der Verdrängung des Feudaladels von der Macht, übernahm die Bourgeoisie die Macht. Da diese jedoch, auch wieder auf Kosten der „Untertanen“, die Politik der Habsucht und der Gier nach neuem aber auch wieder nur den Mächtigen zugutekommenden Reichtum, heute kurz Profit genannt, betrieb, die bis heute durch unzählige Kriege gekennzeichnet war und ist, wurde die oben genannte Forderung der Französischen Revolution durch den Ruf nach „Frieden“ ergänzt. Die Sehnsucht nach einer Gesellschaftsordnung, in der die Menschen in Frieden mit den Nachbarn lebend, frei sich selbst verwirklichen können, um in sozialer und rechtlicher Gleichheit und brüderlicher Solidarität ein glückliches Leben zu leben, wird auf unserer „Mutter Erde“ immer stärker.

Wie wir erfahren, wird der Kreis der sich empörenden Menschen insbesondere in den Ländern immer größer und teilweise auch immer aggressiver, die die Hinterlassenschaften der europäischen Kolonialisierung seit gut 300 Jahren ertragen mussten. Die Empörung richtet sich gegen die neuerliche Kolonialisierung durch das US-amerikanische Finanzkapital, das seine Interessenwahrnehmung in letzter Zeit großflächig hinter religiösen, meist islamischen Auseinandersetzung innerhalb von selbständigen Staaten neuerdings aber auch zwischen den Ländern versteckt. Da werden dann Glaubensfragen zu religiös-fundamentalistischen Ideologien aufgebaut, genauso wie im vergangenen Jahrhundert die Wahrnehmung kapitalistischer Wirtschaftsinteressen weltweit zu menschenverachtenden fundamentalistischen Ideologien führte, wie den Faschismus und Nationalismus. Der 2. Weltkrieg endete 1945 mit der totalen Zerschlagung des faschistischen Deutschlands durch die vier Alliierten. 1945 durch auch die Organisation der Vereinten Nationen gegründet, deren Gründungscharta mit dem Schwur beginnt „Wir, die Völker dieser Welt… wollen Frieden für unsere künftigen Generationen“. Die Menschheit schien aufzuatmen. Als kurz darauf der Kalte Krieg begann verwies Berthold Brecht darauf: „Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“. In den „heißen“ Phasen des Kalten Krieges, dem Korea-Krieg, im Vietnam-Krieg und bei anderen militärischen Einsätzen gegen unliebsame Regierungen bauten die USA ihr Imperium aus. In den gut 25 Jahren nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation, erlebten und erleben wir weiterhin international nicht gerechtfertigte Kriege, mit denen die USA ihre Vormacht ausbauen und gleichzeitig aber gegen neuentstandene Großmacht-Konkurrenten verteidigen will. Kriege werden geführt, verbundenen mit Lügen und Ausnutzung religiöser Meinungsverschiedenheiten. Die „bedauerlichen Nebenwirkungen“ kosten Tausenden von unschuldigen Menschen das Leben. Der Faschismus hat sein Haupt wieder erhoben

Wir leben zurzeit in einer globalen Weltordnung, die von terroristischen Aggressionen und asymmetrischen Kriegen rund um den Erdball und von 60 Millionen Menschen umfassenden Flüchtlingsströmen gekennzeichnet ist. Die mit den USA verbündeten Länder des sogenannten „demokratischen Westen“ rüsten weiter auf, um sich gegen die angeblichen Verursacher dieser blutigen Auseinandersetzungen zu „wehren“. Für die Führungsmacht des Westens gibt es seit dem Ende des Kalten Krieges, hauptsächlich nur noch zwei Konkurrenten auf dem Weltmarkt, die ihnen in ihrer geostrategischen Politik ernsthaft in die Quere kommen: China und Russland.

Alles wird unternommen, was beiden Hauptkonkurrenten Schaden kann. Das Hauptaugenmerk der US-Administration galt seitdem Russland. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zog nach dem Abfall bisheriger Mitgliedsländer in diese und im übrig gebliebenen Russland die kapitalistische Gesellschaftsordnung ein. Das seit 1999 von Wladimir Putin geführte Land versuchte mit verschiedenen Mitteln seinen Einfluss in den Ländern zu erhalten und zu festigen, in den es bereits während des Kalten Krieges Fuß gefasst hatte. Russland unterstützte auf verschiedene Art und Weise auch demokratisch gewählte Regierungen, die ihr Land und ihre Rohstoffe nicht freiwillig den Finanzhaien des Westens überlassen wollen. Das beste Beispiel waren der Irak, Libyen, der Iran, die Ukraine und nun Syrien. Diese Länder wurden das Ziel der von den USA geführten Koalition der Willigen, direkter militärischer Aktionen oder Schauplätze sich gegenseitig bekämpfender Religionsgemeinschaften bzw. der von dieser Koalition der Willigen bezahlten Terroristengruppen. Von ihrem Volk gewählte Herrscher wurden das Ziel sogenannter „demokratischer Opposition“, die mit Waffen des Westens ausgerüstet und von Spezialeinheiten der USA trainiert und angeführt wurden und noch immer werden.

Momentan hofft man in der ganzen Welt, dass dieser zum Teil bereits digital gesteuerte Kampf um die besten „Marktplätze“ nicht in einen 3. Weltkrieg ausartet, der mit aller Wahrscheinlichkeit das Ende der Menschheit sein würde. Es liegt wohl im Interesse der Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten, diesem nur auf Profit orientierten Machtkampf ein Ende zu bereiten.

Das politische Engagement breiter Volksschichten für ein in Frieden, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit geführtes besseres materielles Leben, hat seit Beginn des 21. Jahrhunderts beträchtlich nachgelassen. In breiten Kreisen der Bevölkerung dominiert politisches Desinteresse und Misstrauen gegenüber der praktizierten Demokratie. Immer leiser wurden die Stimmen aus der Zivilgesellschaft, die einen gesellschaftlichen Neustart fordern.

Die früheren Massendemonstrationen für Frieden und soziale Gerechtigkeit, für Menschenrechte und Souveränität der Völker sind von den Straßen und Plätzen verschwunden. Wir finden sie auf nutzerfreundlich gestalteten Webseiten wieder, dem neuen Kommunikationsmittel Internet. Man kann auch viele noch hören – über YouTube, und lesen auf den sogenannten „sozialen Netzwerken“ wie Facebook und Twitter.

Da finden wir viele öffentlich geförderte Initiativen der Zivilgesellschaft – die z.B. Forderung nach Abschaffung des Geldes als Ursache des Elends, oder die Unterstützung der Menschenrechtsaktivisten, die Ausweitung genossenschaftlicher Produktion von Lebensmitteln in Afrika oder Lateinamerika, das Engagement der Ärzte ohne Grenzen, oder auch der Altenpflege in Deutschland. Sehr oft stößt man auf das engagierte Wirken besonders jüngerer Menschen in Vereinen der Zivilgesellschaft, die die Auswirkungen der bisherigen Kolonialzeit und der heutigen Herrschaft des Finanzkapitals einzudämmen versuchen.

In den linksdenkenden Zeitungen und Zeitschriften wird oft über diese Aktivitäten des einen oder anderen Vereins über lokale Beseitigung der Armut,, so auch von der Initiative Grundeinkommen in Namibia, aus Bolivien erfahren wir von der Anerkennung dem common good des Volkes. Wir lesen über die Hilfe beim Aufbau von Schulen, wie in Uganda und Palästina, und auch der Durchsetzung sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit oder der Solidarität mit den Armen im eigenen Land und in den Nachbarländern. Es ist gut, wenn insbesondere jüngere Menschen aus anderen Ländern, in denen sie keine Zukunft haben, davon erfahren. Vielleicht finden sie dort oder gar in ihrem Land die Möglichkeit, diesen Beispielen nachzueifern. Oder aber, sie begeben sich auf den Weg, um irgendwo doch noch sich selbst verwirklichen zu können. Bisher waren ihre Ziele die reichen Länder des Westens, die ihnen Zufriedenheit und Wohlstand „vorgaukeln“. Die Zeiten des „amerikanischen Traumes“ sind in den USA schon seit geraumer Zeit vorbei und werden auch im westlichen Europa nicht zum Tragen kommen. Jeremy Rifkin hatte zwar 2004 mit aller Berechtigung das Ende des „amerikanischen Traumes“ – Vom Tellerwäscher zum Millionär – beschrieben, irrte sich aber in der Annahme, dass nun hier auf unserem Kontinent der „europäische Traum“ beginnen würde.

Wenn Sie beim Lesen des einen oder anderen Textes über Erfahrungen auf diesem Gebiet haben oder bereits selbst geeignetere Lösungsvorstellungen haben, können Sie ihre Vorschläge oder Vorstellungen auf dem Internetportal im zutreffenden Bereich des betreffenden Themas eingeben. Ihr Wissen wird uns allen zu Gute kommen.

Jede konstruktive und auf eine bessere Welt- und Gesellschaftsordnung ausgerichtete neue These oder Ergänzung bereits vorliegender Texte unterliegt dann auch der Wertung durch die sich an der Debatte beteiligenden anderen Bürgern. Bei einer mehrheitlichen Zustimmung zu Ihrem Vorschlag wird dieser in unser gemeinsames Strategiepaket für die Gestaltung der „anderen“ Gesellschaft aufgenommen und veröffentlicht. Die Initiatoren des Bildungsprojektes haben die Absicht, nach einer angemessenen Zeit dieses vorliegende Buch in einer zweiten, ergänzten Auflage herauszugeben, in der auch Ihr konstruktiver Beitrag enthalten sein kann.

Wir haben die Absicht, nach genügend langer Debatte das gesamte Bildungsprojekt über die Bildungsministerien allen Schulen zur Verfügung zu stellen. Es kann den Schülern nur zu Gute kommen, wenn sie neben oder nach der Kenntnisnahme des Buches der Geschichte auch das Buch einer erstrebenswerten Zukunft lesen, darüber untereinander reden und schließlich ihr Wissen vergrößern. Das wiederum hilft der heranwachsenden jungen Generation ihren persönlichen Platz im Leben in der kommenden Gesellschaft leichter zu finden. Durch diese Form von Selbstbildung der Schüler und Studenten wird unserer Überzeugung nach die individuelle Selbstfindung und Charakterbildung positiver beeinflusst, als das Betrachten oder Lesen von Science-Fiction-Büchern oder Videos, in denen meistens die Anderen, die Aliens, nur Feinde sind, die getötet werden müssen. Das heißt nicht, dass die Kinder keine Science-Fiction-Bücher lesen sollten, nein gar nicht. Sie sollten parallel dazu etwas mehr über Naturgesetze und menschliches Verhalten in Notsituationen wissen, um ihre eigene Selbstwertfindung ausgeglichener gestalten können, statt das Erschießen und Vernichten anderer Menschen als einzige Lösung zu übernehmen.

Wir sind uns sicher, dass wir mit dieser Grundhaltung bei einigen Mitmenschen wahrscheinlich abfällige Bemerkungen ernten werden. „Das sind doch Spinner. Die haben wohl nichts anderes zu tun“. Oftmals hat auf Facebook auch ein anonymer Teilnehmer darauf verwiesen, dass er „sich in seinem Umfeld wohlfühlt und keine ‚andere‘ Gesellschaft braucht“. Oftmals verlässt er/sie unseren Meinungsaustausch von allein.

Wir haben aber auch hin und wieder aus politischen Kreisen heraus Protest zu hören bekommen gegen die von uns angeblich vorgesehene „Einschränkung der Freiheit des Individuums“ weil n mehreren Stelle darauf hin gewiesen wird, dass ein Mensch für sich nicht das Recht auf Freiheit des Handelns in einer Sache durch Einschränkung der Freiheit des vom Handeln Betroffenen in Anspruch nehmen kann. Gleiches gilt auch für das Streben eines Menschen nach Glück, wenn er dadurch andere unglücklich macht.

Die Mitglieder unseres Verein sind sich einig darin, das bereits vorhandene Wissen über alles, was für die positive Weiterentwicklung des Individuums und der ihn umgebenden Gesellschaft sowohl für das Individuum als auch für die Gemeinschaft, in der er lebt von Vorteil ist, oder gar einen Fortschritt bedeutet, zuerst der öffentlichen Debatte zu unterbreiten, dann aber in das von uns begonnene Buch der kommenden Geschichte einzutragen. Wenn es uns vielleicht nicht mehr hilft, vielleicht werden uns die nach uns kommenden Genrationen dankbar sein.

Lassen Sie uns alle gemeinsam darüber nachdenken, wie wir unseren Beitrag zur Humanisierung der Menschheit leisten können. Die Selbstverwirklichung eines jeden Individuums kann jedoch nur einer Gesellschaft stattfinden, in der jeder des Nächsten Freund, aber nicht Feind ist. Der gute Wille des Einzelnen wird multipliziert zum guten Willen der Menschheit werden, die sich in ihrer Gemeinschaft ihrer Verantwortung für das Schicksal eines jeden Individuums, aber auch für den Erhalt dieses Planeten bewusst wird. Die Erde mit der auf ihr existierenden Natur ist noch immer unsere einzige Heimat. Wir sind in jedem Fall dafür, dass „Mutter Erde“ auch weiterhin unsere Heimat bleiben sollte.

 

Wir halten es in dieser Lösung all dieser Fragen mit Albert Einstein:

„Probleme kann man nicht mit der gleichen

Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind.“

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Noten:

[1] Weimarer Republik 19291933; Deutsches Reich mit der faschistischen Diktatur 1933-1945; Kapitalistische Nachkriegsperiode 1945-1952; Realsozialistische Gesellschaft der DDR 1952-1990; Spätkapitalistische Gesellschaft mit Herrschaft des globalisierten Finanzkapitals 1990-2017

[2] Unter Selbstwert (auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung, Selbstvertrauen, oder unpräziser: Selbstbewusstsein, Eigenwert, umgangssprachlich auch Ego) versteht die Psychologie die Bewertung, die man von sich selbst hat. Das kann sich auf die Persönlichkeit und die Fähigkeiten des Individuums, die Erinnerungen an die Vergangenheit und das Ich-Empfinden oder auf das Selbstempfinden beziehen.

[3] Selbstverwirklichung bedeutet in der Alltagssprache die möglichst weitgehende Realisierung der eigenen Ziele, Sehnsüchte und Wünsche mit dem übergeordneten Ziel, „das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen“ (Oscar Wilde), sowie – damit verbunden – die möglichst umfassende Ausschöpfung der individuell gegebenen Möglichkeiten und Talente. [mehr siehe Anlage ]

[4] russisch: „Schnell, komm her!“

[5] Russich: Hundert Gramm

[6] Gut 75 % des Territoriums der DDR wurde vor dem 2.Weltkrieg reines agrarwirtschaftlich bearbeitet. Auf diesem Territorium gab es vor 1945 kein einziges Stahlwerk. Die DDR schuf in den 40 Jahren ihrer Existenz 4 Stahl- und Walzwerke.

[7] Es muss erneut darauf hingewiesen werden, dass es auch während der Existenz der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder bis 1990 keinen Kommunismus, keine kommunistische Gesellschaftsordnung, gegeben hat. Dafür fehlten die notwendigen ökonomischen Voraussetzungen, um den kommunistische Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ verwirklichen zu können. (Karl Marx: Kritik des Gothaer Programms, MEW 19, 21)

[8] Interdependenz = Gegenseitige Abhängigkeit

[9] Stiglitz, Joseph E.: Roaring Nineties – Der entzauberte Boom, 2010

[10] https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=0ahUKEwi234-Vs6rNAhVBAZoKHY0wD7kQFggkMAE&url=http%3A%2F%2Fwww.unhcr.de%2Fhome%2Fartikel%2Ff31dce23af754ad07737a7806dfac4fc%2Fweltweit-fast-60-millionen-menschen-auf-der-flucht.html&usg=AFQjCNFzz0uU4BDwOOb0KWSE6ABZ6hndHQ&sig2=2pqUwngG1lys2HGaX_nbTw